ZOE

Und: Go!

Und so startet also mein zweites Projekt. Von Liebesdrama, hin zu asimovscher Science Fiction. Das Drehbuch war das, was ich gerne ein One-hit-Skript nenne: Idee, Ausarbeitung und erste Skriptfassung - alles an einem Tag. Der Kern der Geschichte, besteht dabei aus einem moralischen Dilemma, welches ich mir als Gedankenspiel erstellt habe und welches eine abgewandelte Form des Trolley-Problems ist.
Den Cast für das Projekt, hatte ich zum großen Teil, bereits beim Schreiben im Kopf. Die Protagonistin sollte, ohne wenn und aber, von Anfisa Hill gespielt werden. (Wer den Entwicklerblog von Ratten gelesen hat, wird sich daran erinnern, dass ich schon länger ein Auge auf sie geworfen habe).
Genau so war es auch bei meinem Antagonisten. Für mich war sofort klar, dass die Idealbesetzung nur mein ehemaliger Dozent Helmut Schorlemmer sein konnte. Glücklicherweise sagte ihm das Skript zu und er willigte ein. Nachdem ich noch den perfekten Schauspieler (Philip Birnstiel) für die dritte Hauptrolle gefunden hatte, stand von dieser Seite her, dem Projekt nichts mehr im Weg.

Studiotime

Jep, ich bin nicht wirklich gut darin, beim Schreiben darauf zu achten, wie schwer das Skript später für uns zu realisieren wird. Solche Problem schiebe ich dabei gerne auf meine zukünftigen Ichs. Dieses mal bedeutete das, dass wir ein Studio auftreiben mussten, bzw. eine geeignete Halle, in der wir unser eigenes einrichten konnten. Zum Glück hatte ich durch "Ratten" genügend Kontakte gesammelt, dass die Stadt Dorfen mir über den Bauhof eine alte Teerhalle stellte. Das bedeutete zwar unglaublich viel Arbeit, die auf uns zukommen sollte, aber hey!? Wo bleibt denn sonst der Spaß?
Wieder einmal zeigte sich, wie unglaublich wichtig, hilfsbereite Menschen im No-Budget-bereich sind. Ich kann niemandem der Beteiligten genug danken, dass sie mir geholfen haben, die Räumlichkeiten aufzutreiben.

Aufbau

Uff! Okay, das Projekt sprengt alles was wir bisher gemacht haben...
Saubermachen, abkleben, streichen, Stahlseile spannen, Moltondecke zur Schalldiffusion aufhängen,  Wandelemente befestigen, Fenster abhängen und damit war noch nicht mal ansatzweise die eigentliche Kulisse aufgebaut. Wenigstens musste das nur einmal gemacht werden und konnte dann für beide Locations verwendet werden. Allerdings muss ich gestehen, dass ich hierbei, ohne all die tatkräftigen und fähigen Helfer, vollends aufgeschmissen gewesen wäre. 

Kulissenbau

Endlich kommt der coole Teil! Als Location für den ersten Part ist ein Überwachungsraum aus dem späten 20 Jhd. geplant. Dezenter Wahnsinn, das in einer Low-Budget-Produktion anständig hinzubekommen, aber was soll's...
Schlussendlich kennt jeder jemanden, der alte technische Geräte auf dem Dachboden hat und sich freut sie loszuwerden. Das schöne am Setbau ist ja, dass alles nur so aussehen muss, als ob es funktionieren würde. Glücklicherweise kennen sich Tobias und Fabian genug mit Technik aus, dass sie sichergehen konnten, dass auch alles schön leuchtet und blinkt.
Für den finalen Feinschliff und als Rückenstütze für den Zeitraums während des Drehs, steht mir jetzt Anfisa zur Seite. Viel kann ja nicht mehr schief gehen, wenn man jemanden hat, der einem ständig in den Hintern tritt :P

Lasst die Tests beginnen

Dieser Film wird ein wenig VFX lastiger, als mein letztes Projekt, weshalb wir dieses Mal deutlich mehr Zeit für Testshots eingeplant haben. Außerdem haben wir ein paar aufwendigere Kamera- und Kranfahrten die geprobt gehören. Ich bin äußerst froh, dass ich keine Sorgen um die Durchführung machen muss, sondern mich dabei vollends auf Fabians und Tobis Know-How verlassen kann. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich ohne mein Team verloren wäre?

 

Wenigstens, hält sich die Anzahl dieser Shots in Grenzen, weshalb ich vollen Fokus auf die Leistung der Schauspieler legen kann. Ich freue mich endlich ausprobieren zu können, wie sehr ich aus meinen alten Fehlern gelernt habe und mit einem komplett neuen Cast zu arbeiten.

Erster Drehtag

Aufgestanden 5:45 , damit ich noch eine Runde laufen gehen kann, bevor es los geht. Kopf frei bekommen und solche Sachen. Um 8:00 Treffen und Aufbau. 9:00 Drehbeginn und dann so gut es geht den Zeitplan einhalten. So gut es geht...

 

Zeitplan sagt 20:00 Feierabend. Kommt einem etwas höhnisch vor, wenn man um 23:00 nach Hause kommt. Dafür haben wir, das was wir haben wollten. Endlich eine Combo und ein Bild für mich. Zusätzlich genug Leute, welche mir den Rücken freigehalten haben. Denke frühere Fehler haben sich ausgezahlt und ich konnte besser meine Vorstellung durchbringen als bei vergangenen Projekten. Ob die Rechnung aufgeht, wird allerdings das Endergebnis zeigen.

Zweiter Drehtag

Ein Woche Umbau, für diesen Tag. Aus dem Überwachungsraum wurde eine komplett neue Location, die hier leider noch nicht verraten werden darf. Dieses mal mit ein paar Statisten. Zum Glück hielten wir, trotz einigen Verzögerungen, den Zeitplan ein. Jetzt hatten wir die Halle abgedreht. Es folgt noch ein weiterer Tag mit mehreren Statisten in einer neuen Location, mit neuen Herausforderungen.

Dritter Drehtag

Gerade noch rechtzeitig erhielten wir die Erlaubnis im Gymnasium Dorfen drehen zu dürfen. Ausgezeichnet, denn nur ein Gebäude des deutschen Schulsystems hatte diese bedrückende Aura, die man von solch einem Institut erwartet, welches in diesem Film dargestellt werden soll ;)

In der vorangegangen Woche spürte ich allerdings, dass ich langsam an meinen Reserven zu zehren begann. Irgendwie wurde die To-Do-Liste immer länger und für jede bewältigte Aufgabe, kamen drei neue. Einen Tag vor dem Dreh, musste ich auch noch eine Schauspielerin aus dem Projekt schmeißen, was für meinen Stress auch nicht besonders zuträglich war. 

 

Der Drehtag selber lief dann allerdings ganz Rund. Nur der Aufbau der Location war etwas spannend. Da wir davor leider nicht in das Gebäude konnten und deshalb keine Vorbereitungen möglich waren, mussten wir sämtliche Dekorationen an diesem Tag vornehmen, was auch bedeutete, einen kompletten Getränkeautomaten durch den Keller in den Gang zu schleifen - Nicht weil wir ihn unbedingt für die Szene brauchten, sondern einfach nur weil es ging. Manchmal glaube ich, uns wurde zu selten "Nein" gesagt...

Finanzierung

Die erste Hälfte des Films liegt hinter uns. Jetzt konnten wir uns der Frage widmen, wie wir den zweiten Teil stemmen wollten. Wir erarbeiteten uns eine Finanzierungsstrategie die zum Teil auf lokalen Sponsoren und zum Teil auf Crowdfunding basierte.


Aus den bereits gedrehten Szenen schnitten wir uns einen ansehnlichen Teaser zurecht, um zu beweisen, dass wir in der Lage sind, unser kühnes Vorhaben auch umzusetzen.
Zudem nahmen wir noch ein Video von uns auf, in dem wir unser Anliegen persönlich vorstellten.
Für den Aufbau unserer Crowdfundingkampagne orientieren wir uns an erfolgreichen Projekten und nahmen uns lieber bei der Vorbereitung mehr Zeit als nötig war, um einen Flop zu vermeiden.
Gleichzeitig erstellten wir Sponsorenmappen für lokale Unternehmen, von denen wir ausgingen, dass sie an einer Werbepartnerschaft Interesse haben könnten.
Der Druck dieser, stellte sich kniffliger als erwartet heraus, da wir stark auf eine hohe Druckqualität Wert legten.
Schlussendlich lagen die Mappen vor uns und die Crowdfundingkampagne war startbereit.

 

Es dauerte ein paar Tage, bis die Kampagne ins Rollen kam. Doch zahlreiche, äußerst großzügige Unterstützungen, erreichten wir unser Fundingziel bereits zehn Tage vor dem Ablauf der Zeit.
An dieser Stelle möchten wir uns nochmal bei all den Leuten bedanken, die uns ihr Vertrauen entgegenbringen und uns dieses Projekt ermöglichen.

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© Leif Brönnle