RATTEN

Dieses Tagebuch dokumentiert den steinigen Weg, zu meinem ersten Kurzfilm, bei dem ich das Drehbuch geschrieben und Regie geführt habe. Es erzählt über die Hindernisse und Erfolgserlebnisse, die mit so einer Produktion verbunden sind und soll einen Einblick gewähren, welche Herausforderungen entstehen, einen Film (fast) ohne Vorkenntnisse zu erschaffen.

 

 

 

"Ist Lieb‘ ein zartes Ding? Sie ist zu rauh, zu wild, zu tobend; und sie sticht wie Dorn.“

Das erfährt Romeo (Julian Brodacz) bei eigenem Leib, als er zufällig Julia (Veronika Kulzer) kennenlernt. Alles scheint perfekt zu sein, bis das Paar eine Wahrheit über ihre Familien erfährt, die sie auseinander treibt. Bald schon müssen sie sich entscheiden, was richtig und was falsch ist oder ob es nicht vielleicht doch etwas dazwischen gibt...

 

 

"Ratten" sollte zunächst eigentlich ein Zwei-Personen-Stück werden, welches ich mit meiner Schauspielkollegin
Veronika Kulzer schreiben, inszenieren und aufführen wollte. Doch je mehr Zeit verging, desto mehr befürchtete ich, dass sich das Projekt nach dem Abschluss meiner Ausbildung verlaufen würde. Deshalb traf ich den Entschluss, aus dem Theaterstück ein Kurzfilm zu machen. Der Aufwand wurde dadurch zwar bei weitem vervielfacht, doch er blieb auch zum größten Teil an mir hängen und ich musste somit weniger auf die Termine anderer Rücksicht nehmen.
Das halb ausgearbeitete Stück wurde natürlich komplett umkrempeln um es für das Medium Film realisierbar zu machen.

Allerdings stellten sich jetzt auch ganz neue Herausforderungen: Woher bekomme ich eine Crew, Geld, Drehorte usw.?

Schritt 1: Crew & Cast

Fabian Wildgrube war der erste, dessen Unterstützung ich mir sicherte. Ganz davon abgesehen, dass er ein äußerst kompetenter Kameramann ist, hatte er einfach die Kontakte, die ich benötigte um mein Projekt zu realisieren. Er ermöglichte mir Zugriff auf Equipment und Leuten, die für mich Licht, Nebelmaschine u.ä. bedienen konnten. Wir hatten bereits des öfteren innerhalb von kleinen Projekten zusammengearbeitet. Außerdem spielte ich in seinem Kurzfilm "FÜNF" die Hauptrolle. Vermutlich war er derjenige, der für den nahezu reibungslosen Verlauf des Drehs verantwortlich war und hat in den ganzen Film mindestens genauso viel Energie investiert wie ich. Es schadet sicher nicht, ihm an dieser Stelle noch einmal extra zu danken.
 

Tobias Voglhuber warb ich fast zeitgleich mit Fabian an. Zum einen, da wir uns schon seit einer Ewigkeit kannten und zum anderen, da er sich mehr mit VFX auskannte, als jeder andere den ich kenne. 
(Was vermutlich mit seinem Beruf als VFXler zusammenhängt). Er ist zudem das dritte Mitglied der, von Fabian und mir gegründeten, Produktionsfirma  RATATØSK PRODUCTIONS. Nicht nur in der Nachbearbeitung, sondern auch am Set, erwies er sich als unschätzbar wertvoll.

 

Julian Brodacz war meine erste Wahl für den Protagonisten. Er war in der Schauspielschule einen Jahrgang unter mir, wodurch ich mich bereits von seinem Talent überzeugen konnte. Es erwies sich als nicht sonderlich schwer, ihn für meinen Film zu begeistern. Tapfer hielt er die Drehzeit mit einem verletzten Knöchel stand. Was mich natürlich nicht dazu bewegen konnte ihn zu schonen - Nicht wenn die Nachricht erst zwei Tage vor Drehbeginn kommt...

Wie bereits erwähnt, war Veronika Kulzer bereits für das Theaterstück eingeplant, wodurch ich es naheliegend fand, sie gleich für den Film zu übernehmen. Genau wie Julian kannte ich sie bereits aus der Ausbildung und konnte sie dadurch bereits in Aktion sehen.

Für die Aufnahmeleitung kam für mich von Anfang an nur meine liebste Feindin Anfisa Hill in Frage.
Bei ihr konnte ich mich immer auf ein brutal ehrliches Feedback und auf eine solide Unterstützung verlassen. Neben ihren organisatorischen Fähigkeiten ist sie auch eine herausragende Schauspielerin und ich kann es nicht erwarten, sie einmal für einen anderen Film vor die Kamera zu stellen.

Verwandtschaft verpflichtet. Deshalb blieb mein Bruder Falk Brönnle auch nicht verschont in meinem Film als Tonangler mitzuwirken. Immerhin habe ich ihm eine Praktikumsbestätigung versprochen, die wir ihm jetzt auch irgendwann schreiben müssen.

Thomas Greimel war, zusammen mit mir, als der Schrecken unserer Lehrer bekannt. Mehr als einmal wurden wir mit Statler und Waldorf aus der Muppetshow verglichen - vermutlich zurecht.
Da er bereits bei einigen Drehs von Fabian beteiligt war, kannte er sich gut mit dem Licht und sonstigem Equipment aus.

Moritz von Ribbeck war Fabians Kameraassistent am ersten Drehtag.
Ich habe mit ihm bereits für den Kurzfilm "One Way" für den 99Fire Film Award zusammengearbeitet und mit ihm dafür am Münchener Flughafen gedreht.

Christoph Kartsens war Fabians anderer Kameraassistent für den Kirchendreh und den Prolog. Wir kannten uns bereits aufgrund des Nachtdrehs für Fabians Kurzfilm "Fünf".
 

Lukas Danzl habe ich erst im laufe dieses Drehs kennengelernt. Fabian hat ihn als Unterstützung für die Prologszene und Nachtdreh in der Eishalle dazu geholt, bei denen er beim Licht mithalf.

Ironischerweise gibt es KEIN EINZIGES Bild von Christian Obermeier unserem Setfotografen. Obwohl der Großteil der hier zu sehenden Bilder von ihm ist, hat er es geschafft, nicht ein einziges mal selber fotografiert zu werden. Sogar vor den Gruppenbildern ist er abgehauen!
Fabian hat ihn über das Gymnasium gefunden. Er war an allen Tagen dabei und hielt unsere Untaten fest.

Schritt 2: Geld

Nach einigen Wochen harter Arbeit, dem Anschnorren von Verwandten und der hilfe von Fabian und Tobias, gelang es mir knapp 1500€ Budget auftreiben, was für eine Filmproduktion (selbst für eine kurze), eine ziemlich kleine Summe ist.
Doch da ich Crew und Schauspieler auf Bezahlung verzichteten ließ und sie mir zudem bereitwillig Equipment zur Verfügung stellten, ließ sich damit gut haushalten.

Schritt 3: Das Skript

Die Idee spukte schon seit geraumer Zeit in meinem Kopf herum.
Es handelte sich um eine scheinbar typische, tragische Liebesgeschichte. Zwei Junge Menschen verlieben sich, doch die Liebe darf nicht sein und die beiden zerbrechen daran. (Den genauen Plot will ich hier natürlich noch nicht verraten - schaut euch das Ding an wenn es veröffentlicht wird!) Während dem Schreiben vielen mir einige Parallelen zu Shakespeares Urgestein "Romeo und Julia" auf, die mich auf eine böse Art amüsierten. Deshalb beschloss ich diesen literarischen Meilenstein auszuweiden und seine blanken Knochen für meine eigenen finsteren Machenschaften zu verwenden. Natürlich würde ich niemals die Ideen eines anderen stehlen!
(Zudem vermute ich, dass Shakespeares "Romeo und Julia" schon dem einen oder anderen bekannt sein dürfte, weshalb der Versuch mit meinen dilettantischen Babyschritten sein großes Werk beanspruchen zu wollen, ohnehin zum Scheitern verurteilt sein dürfte)

Ich sehe den Film eher als eine Satire von dem veronesischen weltbestesten Liebespaar. Nichts ist perfekt...

Schritt 4: Das Storyboard

Ein Storyboard ist im Grunde die gezeichnete Version eines Filmes.
Dadurch können sich Kameramann und Schauspieler bereits im Vorhinein ein Bild deinen Plänen machen. Diese 137 kleinen Kritzeleien haben mich eine ganze Woche gekostet, in der ich mich von der Gesellschaft weggesperrt habe. Allerdings sind gerade diese Kritzeleien ein essentieller Bestandteil der Vorproduktion. Durch sie können Kameramänner und Schauspieler deine Version des Films sehen und auseinandernehmen. Ich weiß noch gut wie Fabian zu mir sagte: "Wenn du das wirklich so drehen willst, dann brauchen wir ein Loch in der Wand". Es stellte sich allerdings heraus, dass unsere Vermieterin wohl weniger erfreut darüber gewesen wäre, wenn ich das Haus meinen Bedürfnissen angepasst hätte. Also blieb mir nichts anderes übrig als:

Schritt 5: Kulissenbau

Habe ich schon erwähnt, dass ich stur bin?
Ich wollte für eine Ellipse, im dritten Akt meines Films, eine Kamerafahrt durch die Wand in einen anderen Raum.
Quasi ein Locationwechsel ohne Schnitt.
Dafür strich ich einen ungenutzten Raum in zwei verschiedenen Farben und verlegte jeweils ein anderes Laminat.
Außerdem baute ich aus Holz eine Wand, die Ich verputzte und in den Raumfarben anstrich.
50 Stunden später und 150€ ärmer war dann auch dieser Raum drehfertig (etwas Dekoration vorausgesetzt)

 

Schritt 6: Locationscouting

Ich muss gestehen, dass ich mir während des Schreibens keine großen Gedanken gemacht habe, wie ich überhaupt an die Locations kommen soll, an denen die Geschichte spielt. Das Problem habe ich mir ganz elegant auf einen späteren Zeitpunkt geschoben. Wahrscheinlich sollte ich mich nicht so sehr auf mein Glück verlassen, aber solange es klappt... Die Locations lagen glücklicherweise alle in der Nähe, wodurch uns längere Fahrten erspart blieben. Dafür hatte ich allerdings eine, für einen Kurzfilm, aberwitzig hohe Anzahl eingeplant. Nachdem ich alle auf dem Papier hatte, zog ich mit einer Kamera los, um diese in der Wirklichkeit zu finden. Die Kirche erwies sich witzigerweise als am einfachsten zu bekommen. Die Eishalle war hingegen schon schwieriger, erforderte im Endeffekt aber auch nur viel Emailverkehr. Mit der Erlaubnis für die Eishalle in der Tasche, ließ sich auch schnell deren Parkplatz von der Stadt genehmigen. Den bürokratisch höchsten Aufwand erforderte die Brücke in Erding, da diese an einer Autobahnzufahrt lag. Glücklicherweise zeigte sich der zuständige Bearbeiter als überraschend kooperativ und berechnete mir nur die hälfte der normal anfälligen Gebühren.

Schritt 7: Vordrehorganisation

Die von mir etwas unbeholfen "Vordrehorganisation" benannte Zeitspanne, beanspruchte eigentlich den Großteil der Vorbereitung und setzt sich aus unglaublich vielen Kleinigkeiten zusammen. Das heißt hauptsächlich auf E-Mails warten, Statisten zusammensuchen, Rettungswagen auftreiben und sexy Versicherungen abschließen. Definitiv nicht meine Lieblingsbeschäftigung, dafür aber ziemlich zeitaufwändig und nervenraubend. Alles hat eben auch seine Schattenseite.
Ach ja, und Catering organisieren! Der ganze Dreh steht und fällt mit dem Catering. (Besonders dann, wenn du kein Geld zahlst.)

Schritt 8: Proben

Ich bin ausgebildeter Schauspieler und kein Regisseur und wollte deshalb, dass meine Schauspieler schon vorher genau wussten, was sie zu tun hatten. Ich befürchtete sonst an den Drehtagen vollends überfordert zu sein und im Nachhinein bin ich wirklich froh, so viel geprobt zu haben. 
Zudem musste noch die bereits erwähnte Kamerafahrt getestet werden, bevor es in die heiße Phase ging.

Schritt 9: Der Dreh!

Am 1.11 war es dann soweit. Alles war so gut es geht vorbereitet, alle Genehmigungen lagen vor:
Also Augen zu und durch...

Tag 1

So beginnt es also: Kurz vor neun treffen die ersten aus meiner Crew ein .Acht Stunden Dreh stehen uns bevor - wenigstens alles in einem Haus und im warmen. Dies war allerdings auch der Tag an dem wir uns die komplizierte Planfahrt durch die Wand vorgenommen haben. Jetzt sollte sich also herausstellen, ob meine Rechnung aufging...

Der Dreh verlief soweit bis reibungslos, bis auf die Tatsache, dass Julian fast an der Nebelmaschine gestorben wäre und ich jedes mal eine Panikattacke bekam, wenn jemand das von mir zusammengezimmerte Bett berührte, welches jedesmal bedrohlich knarzte.
 

Tag 2

Ich glaube meine Luftmatratze hat ein Loch... und das Navi ist schuld daran, dass wir uns so krass verfahren haben! Ich wollte nur eine Straße zu früh abbiegen. Der zweite Tag beginnt ja super...
Nach einer deftigen Standpauke, seitens Anfisa, beginnen wir den Dreh, mit einer knappen Stunde Verzögerung, was Fabian weniger begeisterte. Doch ab jetzt lief fast alles wie am Schnürchen. Wir wurden früher fertig als ursprünglich geplant und bekommen spontan noch die Erlaubnis in einem Café zu drehen.
(Obwohl ich nicht verstehen kann, wie man das gleiche Bier ZWEIMAL verschütten kann - ich meine dich Julian!)
Erding drehen wir überpünktlich ab und erwischen noch das goldene Licht für einen wunderschönen Shot in Dorfen.

Tag 3

Meine Luftmatratze hat definitiv ein Loch wodurch die ganze Nacht nicht geschlafen habe und promt einen fetten Kratzer in mein Auto gefahren habe. (Keine Angst, die Mauer hat es überstanden, obwohl es ein Volvo ist) Vielleicht erklärt das aber meinen, etwas mürrischen, Gesichtsausdruck. Egal, wir drehen ja nur bis in die Nacht hinein. Erst noch kurz in Dorfen, mit nicht ganz erlaubten Kamerafahrten, dann wieder nach Erding.

Dieses mal auf einer befahrenen Brücke - deshalb auch die schicken Warnwesten. Die Polizei wurde deswegen schon vorab informiert.
Der Dreh lief wie geplant, wenn sich auch leider etwas Leerlauf nicht vermeiden lies, da wir leider auf die Dunkelheit warten mussten.

Und Tag 3 geht in die zweite Runde. Zwei Stunden Warterei nach einem Picknick neben der Straße. Es wird allmählich echt kalt und die Schaupieler frieren mir ein. Gedreht wurde die erste Plotszene des Films. Leider ein bisschen viel Verkehr, werden wir wohl oder übel nachsynchronisieren müssen. Obwohl wir in der Nacht drehen, bleiben wir gut im Zeitplan.

Ich fühle mich ein wenig schuldig, weil ich die Aufnahmeleitung angepflaumt habe (ungerechtfertigt), wodurch sie dementsprechend reagiert hat (gerechtfertigt) die letzte Nacht und der nächste Tag, fressen an meinen Nerven...

Tag 4

Ich muss gestehen, ich hatte etwas Horror vor diesem Tag.
Ist ja nicht nur mein erster Film, sondern auch mein erster mit Statisten. Keine Ahnung wie wir es geschafft haben so viele aufzutreiben und das mitten unter der Woche.
Doch wie sich herausstellen sollte, war meine Sorge unbegründet.
Die Statisten und die Crew waren klasse - sind sogar viel früher fertig geworden als geplant.
Die Steckdose ist natürlich nur zufällig verschmort - uns trifft keinerlei Schuld...Naja, einmal mit Weihrauch drüber und man riecht eh nichts mehr.
Nach einer kurzen Pause wieder eine Szene im kleinen Kreis.
Auch wenn es vielleicht die emotional herausfordernste für die Schauspieler war.

Tag 5

Endlich wieder etwas geschlafen - hab mein Lager auf dem viel zu kurzen Sofa aufgeschlagen. War allerdings auch notwendig, denn jetzt wird bis zum bitteren Ende durchgedreht. Der Tag beginnt noch relativ harmlos mit einer einzigen Kamerafahrt. Gedreht wird das Intro mit Hilfe von des Roten Kreuzes. Vielen Dank an dieser Stelle noch mal für die Unterstützung. Nach gut drei Stunden sind wir bereits abgedreht.
Jetzt heißt es Kräfte sammeln für die Nacht, denn die verspricht echt hart zu werden.

Merke: Babykatzen sorgen für einen unglaublichen Moralschub bei der Crew.

Tag 6

Etwa um Mitternacht können wir unseren Dreh in der Eishalle beginnen.
Wer hatte eigentlich diese lustige Idee, mitten in der Nacht, in einer Eishalle zu drehen!? Der Anfang verlief super. (Gut, ich musste auch nicht Schlittschuhlaufen und gleichzeitig die Kamera bedienen)
Doch sobald wir das Eis verlassen hatten, viel mir auf: In der Eishalle ist es kalt und um halb fünf Uhr morgens ist man müde.
Diese letzten paar Stunden, sollten sich als mein bisher härtester Dreh heraustellen
Um sieben Uhr morgens waren wir dann fertig (im doppelten Sinne)
Mal gespannt was daraus wird.

Okay, fast sechs Tage Dreh sind um, Zeit für eine kleine Refelexion. Soweit ich es jetzt einschätzen kann, hat alles soweit funktioniert. Allerdings hätte ich vermutlich etwas weniger passiv sein sollen. Evtl. haben die Schauspieler trotz Proben etwas zu rudern gehabt. Insgesamt habe ich mir vermutlich etwas zu viele Sorgen gemacht, wäre aber auch ohne Fabian und Anfisa aufgeschmissen gewesen. Erster hat mir vermutlich den Dreh gerettet. In zukünftigen Projekten, werde ich mich vermutlich eher im Hintergrund halten und mich auf das Drehbuch konzentrieren. Ich glaube hier liegt tendenziell eher mein Stärke. Trotzdem war es für mich wichtig diese Erfahrung gemacht zu haben. Sehen wir mal, wie es ab jetzt weiter läuft.

Schritt 10: Der Schnitt

Ich soll mal einen Rohschnitt machen. Habe zwar keine Ahnung wie das Programm funktioniert, aber egal - einfach mal ausprobieren. "Tutorials brauche ich eh nicht, werden ja überbewertet". Das vielleicht schon, allerdings wäre ich dann auch deutlich schneller fertig geworden.

Nach drei durchgearbeiteten Tagen, steht dann dieses komische, zusammengeflickte, Etwas. Zusammen mit Fabian, sah das Ganze dann doch schon um einiges besser aus. Zwar zog sich der Schnitt über Tage hinweg. Doch die Grundfassung steht. Fehlt nur noch das Voice Over und der Sound muss noch einmal überarbeitet werden.

Schritt 11: Soundnachbearbeitung

Gar nicht so einfach die richtige Musik zu finden. Rechte für gute Musik ist teuer, Kostenlose meistens schlecht. Zumindest, wenn man im Internet sucht.
Den Titelsong habe ich bereits vorher komponieren lassen und konnte dadurch bereits Motive verwenden. Zum Glück sind neben mir auch talentierte Menschen an dem Dreh beteiligt, die kurzerhand, innerhalb von einem Nachmittag ein eigenes Stück produzieren können. Der Rest bestand hauptsächlich aus beständigem anhören von Bass und Pfeiftönen und dem Heraussuchen passender Soundeffekte.Fehlt noch ADR und Foley.

Schritt 12: Voice Over

Überraschenderweise, gelang das Voice Over außergewöhnlich schnell. Innerhalb von drei Stunden, hatten wir unsere benötigten Takes und sechs Stunden später, waren diese bereits integriert.
Es ist wirklich motivierend, wenn Etwas geplantes später auch so gut funktioniert.
Insbesondere deshalb, da das Voice Over ein äußerst wichtigen Teil des Films darstellt.
Ein Ende ist in Sicht, fehlt nur noch ein kleines bisschen...

Schritt 13: Der Rückschlag

Habe ich da oben echt geschrieben, dass alles gut funktioniert? Hahahahah. (wegen mangelnder Intonationsmöglichkeit: das Lachen ist sarkastisch) Haben heftige Kritik von einem unbefangen Dritten bekommen. Bitter aber wahrscheinlich notwendig. Also haben Fabian und ich uns nochmal  für zwei Tage zusammengesetzt und nochmal die ganze erste Hälfte, sowie das komplette Voice Over überworfen. Nachdem wir zwei Szenen vertauscht und den Film um ein bis zwei Minuten gekürzt haben funktionierte alles, so hoffe ich, besser. Die Deadline haben wir uns für das Ende des Monats gesetzt. Mal sehen...
P.s. Aufgefallen, das dieser Schritt die Nummer dreizehn trägt? Jaja, Schauspieler und Aberglaube...

Seitensprung: Marketing

Gut zugegeben, das hat jetzt nicht wirklich etwas direkt mit dem Film zu tun, aber irgendwie gehört es trotzdem dazu.
Damit die Leute auch ein wenig neugierig auf den Film werden, müssen wir schonmal ein bisschen indirekte Werbung machen. Ich habe dem Sänger und Komponisten, Leon Kaiser, für den Titelsong ohnehin ein Musikvideo versprochen. Also warum das nicht gleich dafür nutzen, potentielle Zuschauer zu gewinnen?
Das Video gibt es bereits hier zu hören. Richtig verbreiten werden wir es vermutlich erst kurz vor dem Film. Genauere Marketingstrategien müssen wir uns noch ausarbeiten.

Schritt 14: Automated Dialog Replacement

Heißt im Klartext: Wir nehmen jedes Wort noch mal auf, weil wir es beim Dreh nicht hinbekommen haben,eine saubere Version aufzunehmen - motorisierten Sägen und ähnlichem sei Dank...
Nach der Session, verspürte ich zugegebenermaßen, leichte Verschleißerscheinungen. Treffen um 15:00, Vorbereitung bis 18:00, Aufnahme von Julian bis 3:00, schlafen bis 8:30, Aufnahme bis 10:30, um 11:45 kommt dann Vroni, mit der wir ihren Teil bis um 18:00 aufnehmen. Glaube es ist ganz gut geworden, aber ich bin fertig. Nicht mal dran gedacht, ein Foto zu schießen. Egal, fake ich halt was mit Photoshop, macht heutzutage eh jeder.

Schritt 15: Foley

Es ist genau das wonach es aussieht. Jedes einzelne sichtbare Geräusch wird nochmal aufgenommen. Sei es das Abstellen von Gläsern, das Anfassen von Rinde oder das Geräusch von Schlittschuhen, mit denen aufs Eis gesprungen wird.
Ich war dieses mal ziemlich froh hinter einem Vorhang zu stehen, während ich alleine vor dem Mikro stand, versuchte zwischenmenschliche Zärtlichkeiten zu imitieren, während eine Stimme in meinem Kopf unerbittlich "Küssen kann man nicht alleine!" summte. Die einzige Frage die bleibt ist, warum wir immer so krasse Arbeitszeiten haben. Als ich aus der Tonkabine getorkelt bin, zwitscherten dereits fröhlich die Vögel und am Horizont begrüßte mich die aufgehende Sonne.

Schritt 16: Colour grading/VFX

In diesem Schritt kam Tobias ins Spiel. Er zauberte an die Richtigen stellen seine visuellen Effekte und glich zusammen mit Fabian die einzelnen Shots einander an. Da ich über diesen Teil leider nicht viel erzählen kann, außer dass sich das Ergebnis deutlich positiv bemerkbar gemacht hat, zeige ich hier nur ein Vorher/Nacher-Bild das gut Tobis VFX-Magie zeigt :)

Schritt 17: Die Kinomischung

Da unsere Premiere im Kino stattfand, mussten wir sicher gehen, dass der Film dort auch richtig lief. Konkret bedeutet das, dass wir (das heißt die Techniker unter uns) den Stereosound auf die Kinoanlage angepasst haben und dadurch ein stärkeres "Mittendrin" Gefühl erzeugen konnten.

 

Als der Großteil der Arbeit stellte sich allerdings das Ingriffbekommen der Technik heraus. Nachdem diese gemeistert wurde, war der Film, nach ein paar Stunden Arbeit, endlich fertig.

Schritt 18: DVD und Poster

Selbstverständlich braucht der Film sein eigenes Poster, dass wir auch als DVD-Cover benutzen konnten. Endlich wieder eine Aufgabe die ich alleine übernehmen konnte und zudem eine tolle Gelegenheit mein neues Zeichenpad auszutesten. Ich bin wirklich zufrieden mit dem Ergebnis. (Was wirklich äußerst selten der Fall ist!) Nachdem das Cover gezeichnet war, verwandelte Fabian es noch in ein schickes Poster.

Schritt 19: Premiere!

Kaum zu glauben aber der Film ist fertig! Wir hatten eine tolle Premiere zu der es viele der Beteiligten geschafft hatten. Alte Kriegsgeschichten wurden ausgetauscht und der Film auf großer Leinwand genossen. Und natürlich gab es einen Sektempfang, wie es sich eben für eine Premiere gehört ;)

Schritt 20: Resumee

Sollte irgendein Leser bis hierhin durchgehalten haben - meinen Respekt haben sie sich verdient :)

 

Was denkt man, wenn ein Projekt zu Ende geht, dass einen ein halbes Jahr begleitet hat? Ich bin froh! Froh, das alles irgendwie doch geklappt hat, froh, soviele Menschen zu haben die meine Ideen unterstützen, ohne etwas dafür zurückzuverlangen und froh mich jetzt neuen Projekten zuwenden zu können. Es der Film perfekt geworden? Nein! Die erste Szene schwächelt inszenatorisch und vielleicht hätte der Plot noch etwas klarer sein können. Vielleicht war das Thema auch nicht wirklich für einen Kurzfilm geeignet - Aber das ist mir jetzt egal. Der Film war von Anfang an dazu gedacht mir selbst etwas beizubringen und diese Aufgabe hat er erfüllt! Zudem gibt es so viele Sachen, die wirklich gut funktionieren. Alle Beteiligten haben eine großartigen Job gemacht. Ein riesen Dankeschön von mir!

Ich freue mich schon auf zukünftige Projekte mit dem Team. Und ich habe da schon so eine Idee... 

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© Leif Brönnle